Die obenstehende Erkenntnis des schottischen Essayisten Thomas Carlyle eignet sich bestens als Motto für das Buchzimmer unter dem Ziegeldach des 1914 erbauten Hallwag-Eckturms. Dort entstand nämlich in den vergangenen Wintermonaten eine repräsentative Übersicht zu den Buchproduktionen seit der Firmengründung. Einzelexemplare in ihrer chronologisch-alphabetischen Folge fanden in den schwarz lackierten Regalen ebenso ihren festen Platz wie getrennt angeordnete Reihen und Editionen - darunter «Helveticus»- und «Columbus»-Ausgaben (1942 bis 1973 bzw. 1951 bis 1981), die renommierten Taschenbücher (1942 bis 1990), die «Biggels»-Romane (1951 bis 1968), die «Goldenen Bücher» (1957 bis 1968), die Musik- und Reisebücher (1969 bis 1983 bzw. 1973 bis 1983) sowie die Taschenführer der späten siebziger (seit 1978) und achtziger Jahre – eine erstmalige Ansammlung von rund 800 Büchern, deren Gemeinsamkeit ihre Entstehung zwischen 1912 und 1989 im Hause ist, symbolisiert durch die allen gemeinsame Rückenprägung HALLWAG. Darunter harren zahlreiche Kostbarkeiten und Raritäten ihrer Neuentdeckung; sie alle wurden bei den Vorarbeiten in unterschiedlichen Räumlichkeiten ans Tageslicht gehoben: vom grossen Buchlager am Zentwegüber über diverse Kellerablagen bis zu den Archiven, Schrankkästen und Regalen der heutigen Abteilung Buchverlag – oft mit Lungenkraft und geschlossenen Augen aus ihrem unterschiedlich langen Dornröschenschlaf gepustet.

Schicksale, Strategien und Strömungen prägen verlegerisches Schaffen

Wer Gelegenheit hat, sich etwas intensiver in die Buchverlagsgeschichte des Hauses zu vertiefen, wird schnell fasziniert sein von den vielen Einflüssen, die sich in den Büchern widerspiegeln, die bei Hallwag erschienen, seit die Wagnersche Verlagsanstalt (vom jungen, 1876 in Rottenburg am Neckar geborenen Otto Richard Wagner 1901 in Bern begründet) mit der Hallerschen Buchdruckerei (ein 1711 erstmals geschichtlich belegtes und bis 1912 von einer Berner Buchhändler-, Drucker- und Verlegerdynastie geführtes Familienunternehmen, dann eine Aktiengesellschaft) zusammenging.

Seit dem Aufbau einer eigentlichen dynamischen Abteilung Buchverlag zu Beginn der dreissiger Jahre gaben die heftigen Wellengänge der Weltwirtschaft, Krisenjahre und Phasen des Aufschwungs, Zeitströmungen, Schicksalsschläge in der Unternehmerfamilie, zähes Programmschaffen, unverhoffte Chancen und persönliche Vorlieben der Verantwortlichen den Hallwag-Büchern ihre Prägung: Deren Bogen umspannt dickbauchige Bild- und Textbande (wie die Pro-Helvetia-Ausgaben, 1934 bis 1946), historische Abhandlungen hohen intellektuellen Niveaus (etwa Jacques Pirennes' «We'tgeschichte», 1945, oder Peter Dürrenmatts «Schweizer Geschichte», 1957), vergnüglich-gastronomische Beiträge von leichter Hand (wie Gardner/Barnes' «Katzen essen nicht nur Mäuse – neunzig Gerichte für ihre Katze», 1967), Lebenserinnerungen aus einem berühmten Haushalt (von Tolstois Westschweizer Hausgenossen, dem Erzieher Maurice Kues in «Jasnaja Poljana», 1937) oder aus der Optik des Mannes hinter dem Tresen (Speich/Nüeschs «Zu Besuch bei Paul Nüesch in der Kronenhalle-Bar», 1981) auch Rezeptbücher mit höherem Anspruch auf den kulinarischen Olymp (etwa «Ächti Schwizer Chuchi» oder «Kreativ kochen» von Marianne Kaltenbach, 1977 bzw. 1978), engagierte Gesellschaftsanalysen (wie das erst Jahrzehnte später in seiner gesellschaftlichen Bedeutung erkannte Emanzipationswerk «Frauen im Laufgitter» von lris von Roten, 1957 (die Post plant übrigens eine Gedenkmarke zu ihren Ehren) oder fotografische Appetithäppchen in Schwarz und Weiss (die Bändchen der Goldenen Reihe, u. a. «Griechen'and», 1964, und «Bayern», 1970), aber auch sättigende Fotomenüs (wie «Hedgecoes Meisterschule der Fotografle», 1977), kulturell anspruchsvolle, farbig illustrierte Bändchen für ein ausgewähltes Publikum (wie Willi Boilers «Japanische Farbholzschnitte», 1953, aus der Orbis-Pictus-Reihe), taschengängige Leitfäden zu vielfältigen Hobbys und Liebhabereien (wie Ulrich Dietikers Taschenbuch «Bonsai», 1981), Bodenständig-Brauchtümliches (dazu gehört der grosse Band «Schweizer Trachten» der Schweizerischen Trachtenvereinigung, für den damals eigens ein Fotostudio im Haus eingerichtet wurde), in Formeln Gefasstes (so R. F. Kunderts «Mathematische Formelsammlung», 1949, oder auch Adriano Cimarostis «Auto-Rennsport», 1973), Liebenswertes für die kindliche Vorstellungswelt (wie «Baski» von Gohl/Hächler, 1967, oder «Tiere mag ich!» von Annemarie Manz, 1981), daneben auch Utopisches (etwa Charles Brenners etwas kurzatmige Menschen-und-Planeten-Reihe, 1972), Pädagogisches (darunter Walter Jahns «Spiel nicht mit dem Krokodil», 1957, und Eric Weisers «Mein Kind und ich», 1964) sowie Fehlentwicklungen Bezeichnendes und Mahnendes (wie Jost Krippendorfs Studie «Die Landschaftsfresser», 1975) usw. Nur in ganz grossen Zügen und mit einzelnen Farbtupfern kann hier etwas vermittelt werden von all dem Stoff, aus dem Hallwag-Bücher sind.

Walter Schmid – «Stammvater» der Hallwag-Buchabteilung

Seit den Anfängen der Firma wurden einzelne Bücher zu touristischen, automobilistischen, fachtechnischen und medizinischen Themen verlegt, auch unter Federführung der bereits bestehenden Zeitschriftenredaktionen von «Automobil-Revue», «Technischer Rundschau», «Praxis» und «Landfreund». Davon hat sich nur sehr Spärliches erhalten, und wohl nur mittels aufwendiger Recherchen vor allem in der Landesbibliothek liesse sich ein abgerundetes Bild über jene Jahre gewinnen. Es macht aber ganz den Anschein, als ob eine Programmgestaltung, wie wir sie heute pflegen, damals noch weitgehend fehlte und dem Sektor Buch im Haus nur eine Nebenrolle zukam.

Als Förderer einer kontinuierlich aktiven und auf eine feste Planung abgestützten Buchabteilung gilt Walter Schmid, der ihre Geschicke vom Beginn der dreissiger Jahre während fast vierJahrzehnten massgeblich mitbestimmte. Die Fundamente seines weitsichtigen und überaus dynamischen Wirkens sind zum tragfähigen Boden der Buchproduktion bis in unsere Tage geworden. Der gebürtige Thurgauer war 1927 als Direktionssekretär des Firmengründers eingetreten und wurde nach dessen plötzlichem, frühem Tod 1934 zur Stütze und rechten Hand des jungen Otto Erich Wagner, zum Leiter in der sich festigenden Buchabteilung. 1937 wurde Walter Schimd zum Direktor der Hallwag AG gewählt. Er übte diese Funktion bis zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand 1969 aus. Von 1955 bis 1958 amtete Walter Schmid zudem als Präsident des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands (SBVV). Zwischen 1958 und 1968 war er auch Vorstansmitglied der Internationalen Verleger-Union 

Casanova, Cronin, Plisnier, Tolstoi, gedruckt und verlegt bei Hallwag

Mit dem aufkommenden Nationalsozialismus im nördlichen Nachbarland und der damit verbundenen Gleichschaltung des dortigen Presse- und VerIagswesens sahen sich viele Schweizer Verlage und Hallwag im Besonderen bedroht durch den bis 1951 fortdauernden Verlust des deutschen Marktes – die  Hallwag Verlags GmbH in Stuttgart war schon in den späten zwanziger Jahren als verkaufsstrategischer Brückenkopf aktiv –, aber auch herausgefordert, dem einschlägigen Gedankengut umliegender Länder Eigenständiges entgegenzusetzen und die Werte der zivilisierten Welt hochzuhalten.

Bereits in den frühen dreissiger Jahren war im Stammhaus eine Abteilung Sprachwerke entstanden, in der neben Einführungen in Fremdsprachen auch Schallplatten (Sprachlektionen unter dem Label Hallwag!) verlegt wurden. Und mit Walter Schmid als Herausgeber wurden sechs von der Kulturstiftung Pro Helvetia in Auftrag gegebene grosse Text- und Bildbände herausgebracht, nämlich «Wallis», «Bern», «Zürich», «Aargau», «Graubünden» und «Thurgau». Der drastische Einbruch bei den Inserateaufträgen und die bei Kriegsbeginn behördlich verfügte Einstellung der kartographischen Aktivitäten machten kreatives Denken und Handeln im Sektor Buch zu einer Überlebensfrage für die ganze Firma, denn die Angestellten mussten weiterbeschäftigt, der Maschinenpark ausgelastet werden; dazu trugen auch die neugeschaffenen Produkte des Zeitschritenverlags bei, u. a. die Kioskprodukte «Die Lupe», «Die Roman-Quelle» und die «Cornelia-Romane».

Im Buchverlag wurden von 1937 an und bis weit über die Kriegsjahre hinaus rund zur Hälfte belletristische Werke verlegt: Romane und Erzählungen von Schriftstellern mit Weltruf (allerdings selten in Erstausgaben). Es entstanden in diesen Jahren auch die grossen Lieferungswerke (aufgrund von Ausschreibungen abonnierte und periodisch ins Haus gelieferte Hefte, die später zu Büchern gebunden werden konnten) – so «Das grosse Weltgeschehen» von Franz Carl Endres und Herbert Vonmoos, «Die Erde» von Gutersohn/Burky/Winkler, «Sterne und Weltraum» von Max Waldmeier sowie «Die Kulturgeschichte der Frau» von Franz Carl Endres. Daneben druckte Hallwag weiterhin Sachbücher und auch Biographien. Und ab 1942 wurde in einer Pioniertat (nur Reclams Universalbibliothek zog mit am gleichen Strick) die erfolgreiche Reihe kleiner Taschenbücher («Taschenfibeln» genannt) verlegt, die über Jahrzehnte das Erscheinungsbild der Firma in der Öffentlichkeit stark mitprägten, zumal sie – wie die von Karl Thöne kreierten Jugendalmanache «HeIveticus» und «Columbus» – ein vorwiegend jugendliches Publikum ansprachen und oft schon im Schulzimmer bIeibende Eindrücke hinterliessen. In rund 50 Jahren erschienen so über 200 Taschenbuchtitel in drei verschiedenen Gestaltungslinien mit einer Gesamtauflage von über fünf Millionen Exemplaren.

Kurswechsel vollzogen: hin zum qualitativ hochstehenden Sachbuch

In den frühen fünfziger Jahren erhielten In der Bundesrepublik Deutschland mehr und mehr VerIagshäuser Drucklizenzen von den jeweiligen Besatzungsbehörden, was den Anfang vom Ende der belletristischen Epoche bel Hallwag mit sich brachte. Nun konzentrierte man sich ganz auf das anspruchsvolle Sachbuch, bis heute ein Leitbild des Buchverlages, und baute die populäre Taschenbuchreihe aus. Es entstanden weiterhin die in zahlreiche andere Sprachen übersetzten Jahrgangsbände «HeIveticus» und «CoIumbus», dann auch die lange Reihe der Rieple-Reisebücher», in den frühen siebziger Jahren dann nahtlos abgelöst von den HaIIwag-Reisebüchern zu den wichtigsten westeuropäischen Ländern, zu Marokko, Israel und der Türkei, die der wiedererwachten Reiselust der Bevölkerung nach den Iangen Krisen- und Kriegsjahren entgegenkam, stimuliert durch das starke Wirtschaftswachstum jener Aufbruchjahre.

Der aufgeschlossene Buchverlagsleiter stellte an die verlegerische Tätigkeit hohe ethische Ansprüche und schuf in seinem Umfeld eine kreative Atmosphäre. Das bot seinen engsten Mitarbeitern, lic. phil. Wilfried Bercher und den Drs. Hans Rieben, Hans-Rudolf Schneebeli sowie Verena Gurtner, viel eigenen Spielraum.

Eine grosse Unterstützung für Hallwag war damals die enge Zusammenarbeit mit dem Verlag Payot in Lausanne. Auf dem Hintergrund der engen Freundschaft zwischen Walter Schmid und Marc Payot übernahm der Westschweizer Partner nämlich die ganze Orbis-Pictus-Reihe und die meisten Taschenbücher neben zahlreichen weiteren Hallwag-Werken, was unseren Büchern die französischsprachigen Märkte erschloss. Umgekehrt fanden dank dieser Verbindung auch Bücher aus der Romandie ihren Weg zum deutschsprachigen Publikum.

Eine breite inhaltliche Palette mit wechselnden Schwerpunkten

Als sein grosser Freund und Weggefährte Walter Schmid 1968 in den Ruhestand trat, setzte sich Otto Erich Wagner eine Zeitlang selbst ans Steuer des Buchverlags und übergab dessen Lenkung dann Dr. Peter Meyer. Dieser setzte neue starke Akzente im Programm, insbesondere mit Büchern zu den Themen Kulinarik und Wein. Weiterhin im Programm vertreten waren Werke zu Geschichte, Naturkundlichem und Kulturgeschichtlichem, zu Bergwelt, Pflanzen- und Tierreich, zu Reisen, Automobil und Fotografieren (später auch Filmen). Der Verlag nahm nun auch Autoren ins Programm auf, die sich mit drängenden Fragen zur gesellschaftlichen Entwicklung auseinandersetzten und Bücher verfassten zu technischen Utopien, Pressefreiheit, Umweltzerstörung, begrenzten Rohstoffe, Gleichberechtigung und vieles mehr.

In den siebziger Jahren etablierte sich Hallwag als Hauptpartner des äusserst innovativen englischen Verlages Mitchell Beazley. Begonnen hatte die Zusammenarbeit einige Jahre früher mit einem intensiven ldeen- und Produkteaustausch zwischen Hallwag und James Mitchell im Bereich Karten für Astronomie und Raumfahrt, die von Direktor Werner Merkli geschaffen und mit Erfolg europaweit publiziert wurden (so blickte das Fernsehpublikum auf Hallwag-Karten und -Modelle, wenn Bruno Stanek am Schweizer Fernsehen jeweils die Apollo-Flüge der NASA kommentierte). Aus dieser Kooperation konnte auch eine ganze Reihe von Weltraumbüchern entwickelt werden, etwa die Atlanten von Patrick Moore und natürlich die Stanek-Bücher.

1972 wurde auch «Der grosse Weinatlas» des jungen und noch wenig bekannten Weinjournalisten Hugh Johnson von Mitchell Beazley ins Programm genommen – ein epochaler Entscheid, dessen nachhaltige Wirkung erst viele Jahre später deutlich wurde. Ausgebaut wurden damals auch die Bereiche Auto, Pferd und Kochen (die ersten «Länderküchen» erschienen).

Parallel zum Hauptverlag entstand 1977 auf Initiative von Dr. Pierre Thoenen die Edition Colibri (Verlag B). Sie wurde vom ins Haus zurückgerufenen Dr. Hans-Rudolf Schneebeli geleitet und sollte bezüglich Programm (Brauchtum, Botanik, Naturwissenschaft, Forschung) und Marketing (Direct Mailing, Sponsoring) neue Wege zur Absatzforderung erproben. Doch bereits zu Anfang der achtziger Jahre wurde die Zweigleisigkeit wieder aufgehoben und die Energie für die Buchproduktion wieder konzentriert.

Zwischen 1978 und 1989 übernahm Dr. Kurt Weibel die Zügel des Buchverlagsgespanns. Er rundete die Reihe der Musik- und Reisebücher ab und baute die Programmelemente Gastronomie und Natur/Tiere mit viel Energie aus. Die Taschenbuchreihe wurde laufend durch neue Titel bereichert und neu eingekleidet.

Der grosse Pferdefreund setzte auch als Autor die Reihe der von ihm seit vielen Jahren verfassten «Kleinen Pferdegeschichten» im Auftrag der Stiftung für das Pferd fort, und 1983 entstand das monumentale und international verbreitete Werk «König Pferd» von Hans D. Dossenbach, das neue Massstäbe hinsichtlich Ausstattung, Qualität und auch Preis setzte. Die Sparten Schönheitspflege und Stilberatung konnten mit den Erfolgsbüchern von «Color Me Beautiful» ebenfalls breit und erfolgreich abgedeckt werden. Dr. Jürg Reinhard («ABC der Anthroposophie», 1986, mit Adolf Baumann, sowie «Sanfte Heilpraxis», 1993) begann damals seine erfolgreiche Autorentätigkeit, und mit der populärmedizinischen Reihe (darunter das sogar ins Polnische übersetzte Standardwerk «Chinesische Massage und Akupressur» von Dr. Kuan Hin, 1988) belebte man ein traditionelles Programmelement neu.

Mit der Rezession unserer Jahre schliesst sich ein weiter Schaffenskreis

Die Zusammenarbeit mit Mitchell Beazley brachte eine neue Reihe von Taschenführern mit unterschiedlichen Themen ins Buchprogramm (im Format des seit 1978 regelmässig als Jahrgangsband erscheinenden «Kleinen Johnson für Weinkenner»), und sie führte auch dazu, dass sich nach und nach die besten Weinschriftsteller unserer Zeit als Autoren unter dem Dach von Hallwag einfanden – Garanten für viele Bucherfolge in den nachfolgenden Jahren wirtschaftlicher Depression.

Dr. Beat Koelliker nahm 1989 das Steuerruder in die Hand. In der Fortführung traditioneller ProgrammeIemente sorgte er einerseits für Kontinuität, setzte anderseits aber auch eigene Akzente (mit Cedric Dumonts «Sprachführern für Gourmets», 1990 sowie 1991, und vor allem mit zahlreichen Reise- und Gastronomieführern zu ltalien). Der Ausbau des Weinprogramms (darunter zwei über tausend Seiten starke Weinkompendien) stand jedoch im Zentrum aller Anstrengungen; es behauptete sich auch in den nachfolgenden Jahren des konjunkturellen Einbruchs mit Best- und Longsellern auf dem hart umkämpften Buchmarkt. Heute gilt Hallwag in der Branche als «der führende deutschsprachige Weinbuchverlag». Und damit ist der Kreis zu den krisengeschüttelten, aber dynamischen dreissiger Jahre geschlossen. Erneut zeigt es sich, dass dem Geschäft mit Büchern in wirtschaftlichen Krisenzeiten eine bedeutsame, mittragende Rolle zukommt. Wollte man nun doch nach einem eigentlichen Gründungsjahr für die Abteilung Buchverlag bei Hallwag suchen, so könnte sich das Jahr 1931 anbieten, denn damals trat die Hallwag mit Walter Schmid dem Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverband (SBVV) bei. Ein rundes Jubiläum für das gegenwärtige Jahr liesse sich daraus ableiten. Doch wie bei einer Dame fortgeschrittenen Alters hüten wir uns besser davor, ins Fettnäpfchen einer zu genauen Altersbestimmung zu treten. Auf jeden Fall ist jeglicher Gedanke an eine Versetzung in den Ruhestand abwegig.

Lieber wollen wir nach vorne schauen und uns den Titel des Longestsellers «5x20 Jahre leben – Jung gesund bleiben und gesund alt werden» (1962; die 36. Auflage ist in diesem Frühjahr ausgeliefert worden!) für weiteres erfolgreiches Schaffen zu nehmen. Der obligate Apfelessig des Dr. DeForest Clinton Jarvis liesse sich dabei in Gedanken durch eine geselligere Flüssigkeit vertauschen, um mit allen im Haus am Buch Beteiligten auch auf künftige Erfolge anzustossen.

Und ein letzter Gedanke in diesem Zusammenhang: Nicht nur die «Seele vergangener Zeiten» reflektiert sich in den Büchern eines Verlagshauses, sondern auch die Risiko- und lnvestitionsbereitschaft von Unternehmensleitung und Management, deren Offenheit für neue Publikationsformen, Sachgebiete, Einzelthemen und Autoren, die planerische Weitsicht und das Durchhaltevermögen der Buchverlagsleiter, die Leistung der Übersetzer, die Kreativität und der beständige Qualitätsanspruch in Lektorat und Herstellung, das Können und die Konzentration in Korrektorat und allen technischen Abteilungen bis hin zum Engagement aller weiteren Personen vor, bei und nach der Auslieferung – Voraussetzungen dafür, dass ein Buchprojekt wirklich erfolgreich ist auf dem langen und etappenreichen Weg vom Autor zum Leser.

Dr. Urs Aregger, Lektorat Buchverlag, im Juli 1996